Webdesign ein Kompromiss
Webdesign ist immer nur ein Kompromiss zwischen technischen Möglichkeiten (z.B. Datenmenge, Browserkompatibilitäten, etc.) und andererseits dem Zeitgeist, bzw. den sich festsetzenden Gepflogenheiten wie Logo und Bildchen oben im Kopfbereich, der Navigationsleiste links und dem Inhalt oder Content in der Mitte. Vielleicht noch, und da ist man aber schon besonders hip, eine avantgardistisch anmutende Flashanimation zum Start. Die Wirtschaft, von der die meisten Auftragsarbeiten im Webdesign kommen, denkt nun mal traditionell eher konservativ.
Anfangs, als das Internet noch jung war, hat sich die Wirtschaft fast völlig verweigert, wie ich als Webdesigner der ersten Stunde getrost behaupten kann. Webseiten und überhaupt das Internet hatten den Geruch von Rebellentum und Glücksrittertum, auf jeden fall etwas unseriöses. Später dann, als man bemerkte, dass man nicht mehr drumrum kommt, weil der Kunde danach fragte, und man befürchtete nicht mehr uptodate zu sein, bastelte man sich die Homepage selber (oder auch der Freund des Sohnes). Heraus kamen selbstgebackene, hässliche Ungetüme - darf ja nix kosten. Von diesen Missgeburten an Websites geistern sogar heute noch viele im Netz rum.
Mittlerweile erkennt man mehr und mehr die Notwendigkeit eines guten und professionellen Webauftritts. Aber bitte nichts revolutionäres, sondern schön im konservativen Look. Zwar erzählen einem alle Firmen davon, wie dynamisch, innovativ und einzigartig ihr Unternehmen sei, und natürlich somit auch ihr Webauftritt werden soll, doch wenn man dann mit eben solchen Webdesign Entwürfen kommt, wird man schnell auf den Boden des deutschen Unternehmertums zurückgeholt. Übrig bleibt dann der Einheitsbrei, wie bei tausenden von anderen Homepages auch. Als dynamisch und innovativ wird eben nur das angesehen, was der aktuelle Zeitgeist gerade so zulässt.
Dabei sind gerade heute die technischen Möglichkeiten - im Gegensatz von noch vor noch 10 Jahren - enorm gewachsen. Insbesonders Flash, bzw. Shockwave, bietet heute Möglichkeiten, die fast grenzenlos sind. Allerdings hat Flash auch ein paar Nachteile: die Erstellung ist aufwendig, also somit teuer, und das Format ist nicht besonders suchmaschinenfreundlich, wodurch sich der Einsatz für bestimmte Zielgruppen stark reduziert.
Weitere Einschränkungen ergeben sich auch gerade durch die technischen Möglichkeiten, wie durch Redaktionssysteme, oder so genannte Content Management Systeme deren Content (Inhalt) aus Datenbanken gespeist wird. Durch die Darstellung von dynamischen Inhalten wird dort ein vorgegebenes Designraster benötigt. Weitere Einschränkungen erfahren Webdesigner heute durch die in vielen Fällen verlangte Barrierefreiheit (bei Behörden gesetzliche Vorschrift). Nicht dass ich dagegen bin, aber es schränkt eben stark ein - das Web ist nun mal auch ein visuelles Erlebnis, und nicht nur ein Sammelsurium von Texten, die dazu auch noch möglichst einfach gestrickt sein sollten.
Fazit: Webdesign ist und bleibt eben ein Kompromiss zwischen technischen Möglichkeiten, übergeordneten Notwendigkeiten (z.B. Gesetze, Suchmaschinenoptimierung), zeitgeistlichem Geschmack und den mehr oder weniger großen Fähigkeiten von Webdesignern.
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