Private Krankenversicherung - Augenwischerei oder echter Vorteil?
Der Wechsel in eine private Krankenversicherung klingt verlockend. Kürzere Wartezeiten beim Arzt, bessere medizinische Versorgung, einkommensunabhängige Beiträge. Doch der Schritt weg von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung sollte gut überlegt werden.
Das Verhältnis von Vor- und Nachteilen ist je nach Antragssteller unterschiedlich gelagert. Junge und gesunde Menschen, am besten im Alter unter 25 Jahren und ohne Vorerkrankungen profitieren am meisten von niedrigen Beiträgen, die wesentlich günstiger sind als bei gesetzlichen Krankenversicherungen.
Einmal privat versichert stehen viele Extrawünsche offen: Freie Arzt- und Krankenhauswahl, Einzelzimmer und nach Wunsch Behandlung vom Chefarzt persönlich. Wer sich privat versichert, kann im Gegensatz zur GKV selbst entscheiden, welche Leistungen er versichern möchte.
Den Sockel bilden Basistarife, die lediglich die medizinische Grundversorgung absichern. Aufstocken können Versicherte mit zusätzlichen Tarifen, die zum Beispiel die Chefarztbehandlung, die Behandlung beim Heilpraktiker oder die Unterbringung in Privatkliniken beinhalten.
Die 10 Euro Praxisgebühr pro Quartal fallen beim Arztbesuch ebenso weg. Reizvoll ist auch, dass die meisten privaten Krankenversicherungen bis zu sechs Monatsbeiträge zurückerstatten, wenn der Versicherte innerhalb eines Kalenderjahres keine Arztpraxis von innen gesehen hat. Medizinisch notwendige Medikamente sind zuzahlungsfrei und der Krankenschutz gilt auf dem gesamten Globus. Ohne Frage kann da keine GKV mithalten.
Allerdings, und das ist die Kehrseite der Medaille, steigen bei der PKV die Beiträge mit zunehmendem Alter. Wer aus einer gesetzlichen in eine private KV wechseln möchte und bereits Vorerkrankungen hatte, muss mit höheren Beiträgen in Form eines Risikozuschlags rechnen und auf jeden Fall einen PKV Vergleich mit seinen kompletten individuellen Daten durchführen, da die Tarife sonst kaum vergleichbar sind. Antragsteller mit schweren Vorerkrankungen wie beispielsweise Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Störungen wie Depressionen oder Suchterkrankungen, müssen damit rechnen, dass ihr Antrag abgelehnt wird.
Gründliche Vergleiche vor einem geplanten Wechsel in eine private Krankenversicherung sollten besonders Frauen ziehen. Grundsätzlich sind ihre Beiträge gegenüber denen von gleichaltrigen Männern höher, weil die Krankenkassen davon ausgehen, dass Frauen ein höheres Krankheitsrisiko tragen.
Allerdings muss hier hinzugefügt werden, dass auch für junge und gesunde Frauen die Beiträge bei einer PKV niedriger sind als bei einer GKV, wenn man dasselbe Einkommen zugrunde legt. Außerdem sollten Frauen ihre Familienplanung überblicken. Im Mutterschutz und in der Elternzeit sind Frauen in der PKV nicht beitragsbefreit, die Beiträge laufen in voller Höhe weiter.
Das sollte in die Überlegungen auf jeden Fall mit einbezogen werden, denn das Einkommen sinkt in Mutterschatz und Elternzeit deutlich. Ist bei der gesetzlichen KV das Neugeborene automatisch über ein Elternteil mitversichert, muss für den Nachwuchs in der PKV ein eigener Monatsbeitrag berappt werden. Auch hier lohnt sich eine vergleichende Kostenaufstellung unter Berücksichtigung gewünschter Leistungen.
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