Geheimnisvolle Rundtürme Irlands
Neben Harfe, Kleeblatt und keltischem Hochkreuz sind Rundtürme die Wahrzeichen der Grünen Insel. Rund 70 Türme sind in Irland erhalten, größtenteils in äußerst ruinösem Zustand. Lediglich ein Dutzend sind zumindest äußerlich gut erhalten. Von der Gestalt her gleich die Rundtürme überdimensionalen Buntstiften: schmal, hoch und sich zur Spitze hin elegant verjüngend.
Um 900 tauchen diese Türme erstmals auf. Dies trifft zeitlich mit den Wikingereinfällen in Irland zusammen. Kirchen und Wohnhäuser waren bis dahin aus Holz - viel zu feueranfällig in kriegerischen Zeiten. Die ersten Türme waren eher stämmiger und ohne Zierrat. Die höchsten Türme erreichten wohl eine Höhe von 34 Metern und das bei einem Durchmesser von fast 5 Metern. Die Mauern hatten eine maximale Dicke von annähernd 1,4 Metern. Der Zugang war ungefähr 3 Meter über dem Grund. Es wurde also eine Leiter benötigt, um ins Innere zu gelangen.
Aus den Maßen lässt sich erahnen, dass es sich mehr um Beobachtungstürme oder letzte Zufluchtsstätte vor Wikinger-Überfällen, denn um eine echte Verteidigungsanlage gehandelt haben muss. Einem ernsthaften Angriff hätten die Rundtürme nicht stand gehalten. Doch auch gegen Feuer waren diese Steintürme anfällig. Die Treppe und die Konstruktion der bis zu 7 Etagen waren komplett aus Holz. Zu dem verwandelt die Form des Turmes diesen in einen riesigen Kamin mit Frischluftzufuhr für den angebrochenen Brand.
Für die These, dass es sich bei den Rundtürmen um Bauwerke mit primärer Beobachtungsfunktion gehandelt haben muss spricht die Tatsache, dass das oberste Geschoss Fenster in alle vier Himmelsrichtungen hatte. Als gesichert gilt auch die Existenz von Glocken im Turmdach. Das altirische Wort für Turm (cloichtheach) bedeutet so viel wie Glockenhaus.
Besucher der Grünen Insel, die auf der Suche nach der frühen Geschichte Irlands sind, sollten sich um eine Übernachtungsmöglichkeit auf dem Land bemühen. Erstens kennen die Einheimischen so manche Legende zu den verschiedenen Orten, die nicht in jedem Irland-Reiseführer nachzulesen ist, zum anderen wird der Urlaub deutlich preisgünstiger.