Colors für Handheld von Gizmondo

Nach dem Willen von Hersteller Gizmondo hätte es der große Kracher, der Systemseller für den hauseigenen Handheld Gizmondo werden sollen. Doch es kam einfach zu spät. Das Spiel wurde fertig entwickelt, doch Gizmondo Europe hatte bereits kein Geld mehr für die Produktion. Die Entwickler erhielten für ihre Mühen zudem ebenfalls kein Geld mehr, auch wenn sie es in diesem Fall hier nun wirklich verdient hätten. Folglich sind lediglich eine Handvoll unfertiger Beta Versionen zu Präsentationszwecken in Umlauf gekommen.

Soweit die Hintergrundgeschichte zum einstmals als Systemseller des Gizmondo angepriesenen Spiels, dass u.a. mit Ausnutzung der GPS-Funktion des Gizmondo Videospielgeschichte schreiben wollte. Via GPS wäre eure Umgebung / Stadt nämlich ins Spiel importiert worden, wo ihr euch dann bei einer zünftigen Bandenballerei duellieren dürft. Durch den viel zu frühen Tod der Mutterfirma leider so nie wirklich Realität geworden, die Idee dürfte aber künftig mit Sicherheit noch einmal von anderen Entwicklern aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

Danach geht es ans Hauptspiel, wobei ihr zunächst vor der Wahl eures Charakters steht. Anzuraten ist hier derjenige mit der meisten Lebensenergie, denn die Bleikugeln fliegen hier tief und ständige Krankenhausaufenthalte wirken sich leider etwas frustrierend auf den Spieler aus. Ohnehin unterscheiden sich die Protagonisten nur in einigen Werten und im Aussehen, dass Spiel selbst wird davon nicht beeinflusst. Sodann startet das Ghetto-Abenteuer mit einem kurzen Video in einer U-Bahn Station, von wo aus ihr eure erste Erfahrung mit dem üblen englischen Slang Konversationen machen werdet. Die Programmierer haben hier wirklich keine halben Sachen gemacht und selbst die ersten Tutorial-Erläuterungen im typischen "in da hood" Style verfasst, was manch einem Fremdsprachenmuffel in Deutschland allerdings etwas zusetzen dürfte. Letztlich müssen selbst erfahrene Englischkenner ein ums andere Mal eher raten, was für Floskeln die Mitglieder des Prekariats denn nun wieder austauschen.

Der Rest des Spiels erinnert dabei stark an die GTA Spiele aus dem Hause Rockstar Games. Zwar ist es längst nicht so komplex wie diese, lässt euch aber ebenso absolute Freiheit in den Bewegungen durch die Stadt und eurem Vorgehen innerhalb der Missionen. Dreh- und Angelpunkt sind mangels fahrbarem Untersatz dabei die U-Bahn Stationen der sechs zu erkundenden Stadtviertel, in denen sich neben den vielfältigen Aufträgen auch Waffen illegal kaufen, leichte Mädels gegen Cash besuchen oder aber Drogen ein- und weiterverkaufen lassen. Moral und Ethik sollte man während der Spielzeit folglich besser ausklammern. Wer das kann, wird aufgrund der zahlreichen Aufgabengebiete mit teilweise sogar auch schon mal kleinen Denkaufgaben wirklich unzählige Stunden Spaß mit dem Spiel haben, dass noch eine Ecke härter und kompromissloser als das GTA aus dem Hause Rockstar ist.

Doch nicht nur in spielerischer Hinsicht setzte Colors auf Gizmondo Maßstäbe, auch bei der Grafik hat man die Hardware schwitzen lassen und präsentiert eine Umgebung, wie sie auch nach Jahren nun auf Sony´s PSP noch richtig gut aussehen würde. Neben abwechslungsreichen Gegenden mit teils tollen Lichteffekten beim nächtlichen Spaziergang, sind es auch die für ein Handheld-Spiel großartig animierten Protagonisten, die in den Vierteln umher schlendern. Biegt man in eine Hauptstraße ein, sieht man auch schon mal ein Auto im Hintergrund vorbeiflitzen. Auch Details wie Getränkeautomaten, brennende Mülltonnen oder verbeulte Briefkästen dürfen selbstverständlich nicht fehlen und sorgen für weitere Atmosphäre.

Und auch in Punkto Soundkulisse gibt es keine Kritik zu äußern. Zwar müsst ihr euch stellenweise nur mit den Soundeffekten bzw. Umgebungsgeräuschen begnügen, in spannenden oder hektischen Spielsituationen setzt dann aber sehr häufig ein Hip-Hop Soundtrack ein, der das Abenteuer äußerst passend untermalt. Auch die einzelnen Effekte klingen gut und teilweise schafften es doch sogar eine ganze Reihe Samples als Sprachausgabe mit in den Vorzeigetitel.

Folglich sind wir also wunschlos glücklich? Mitnichten, denn auch Colors hat seine Hürde zu Beginn. Die liegt weniger im moderaten Schwierigkeitsgrad, also vielmehr bei der zunächst etwas schwammig wirkenden Steuerung. Nach spätestens einer halben Stunde hat man sich daran gewöhnt, dennoch ist es nicht immer ganz einfach die Kontrolle über alle sechs belegten Buttons des Handhelds zu behalten. Gerade in Stresssituationen wie Großschießereien, wünscht man sich doch einfachere Möglichkeiten um ein Medi-Kit zur Heilung zu verwenden. Interessant jedoch das Zielen auf Gegner - hierbei bewegt sich ein Zielkreis unruhig vor einem Gegner umher. Je ruhiger ihr werdet, desto langsamer und genauer bewegt sich das Zielvisier und erlaubt gezielte Schüsse. Tolles System, dass sich Rockstar ruhig auch für seinen nächsten GTA Teil abschauen kann...

Abschließend lässt sich also festhalten - Colors ist trotz seiner traurigen Hintergrundgeschichte DER Vorzeigetitel für den Handheld Underdog Gizmondo. Da ist es wirklich schade, dass aufgrund der geringen Verbreitung des Gerätes nur einige Tausende Freaks in den Genuss dieser Perle kommen werden. Wer sein Herz jedoch für den Gizmondo erweichen kann, sollte sich dieses Meisterwerk auf keinen Fall entgehen lassen!


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