Bestellung per Katalog

In der Zeit des Wirtschaftswunders, als sich das Portemonnaie von Otto Normalverbraucher langsam wieder von den Entbehrungen der Nachkriegszeit erholt hatte, boomten die Versandhäuser. Nicht nur das Sortiment der einzelnen Häuser wurde beständig erweitert und auch der Kundenstamm wuchs kräftig an. Neben vielen bereits seit dem 19. Jahrhundert oder der Weimarer Republik bestehenden Häusern, wie z.B. Baur Versand, Bader, Klingel oder Quelle, um hier nur einige zu nennen, schossen weitere Anbieter aus dem Boden. Neckermann, Otto und Schwab sind große und bis heute bestehende Häuser, die damals gegründet wurden.

Mit der fortschreitenden Entwicklung des Sortiments fand auch eine zunehmende Spezialisierung des Angebots statt und es entwickelten sich so genannte Fachversandhäuser, wie z.B. Heine-Versand, der sich auf Geschenk- und Büroartikel spezialisiert hat.

Um effektiv und effizient, beispielsweise hinsichtlich der Logistik und des Transports, und vor allem wettbewerbsorientiert arbeiten zu können, fanden in den 70er Jahren verschiedene Übernahmen statt bzw. mehrere Versandhäuser wurden in einem Konzern zusammengeschlossen. Aber dies sollten nicht die einzigen Veränderungen sein, mit denen sich die Versandhäuser auseinandersetzen mussten. Mit dem Internet und den dort agierenden Versandhändlern und Auktionsplattformen erlebte der Versandhandel einen drastischen Umsatzeinbruch.

Es musste schnell reagiert werden, häufig war es aber dennoch nicht schnell genug. Deshalb waren einige Versandhäuser von dramatischen Konsolidierungsmaßnahmen betroffen. Standortschließungen, Entlassungen von Mitarbeitern und Umstrukturierungsmaßnahmen waren die Folgen. Nach kurzer Zeit war klar, dass lediglich ein Multi-Channel-Vertriebsverfahren, also der Vertrieb der Waren über alle möglichen Wege, insbesondere aber den E-Commerce der richtige Weg aus der Umsatzkrise war. Der Online-Versandhandel entpuppte sich in kürzester Zeit als der Wachstumsmotor Nr. 1. Heute bestellen über 51 Millionen Deutsche über das Internet und beispielsweise jedes fünfte Kleidungsstück gelangt so zum Endkunden.

Was die Kunden selber betrifft, dominieren eindeutig die Frauen den Versandhandel. Nach den mageren 90er Jahren präsentiert sich der deutsche Versandhandel mittlerweile wieder stabil. Gemessen am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels beträgt der Anteil der Versandhäuser 6,8 Prozent, damit gibt jeder Deutsche pro Jahr 318 Euro im Versandhandel aus.


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