Reisebericht Insel Korfu
Vor über zehn Jahren führte uns eine Lastminute Reise auf die schöne Insel Korfu. Bei unserem Gang zum Reisebüro stand für uns nur so viel fest: Wir wollen möglichst billig ans Meer und in die Sonne, aber es sollte auf keinen Fall Mallorca oder sonst eine überlaufene Partyinsel sein. Die Beratung ging dann recht bald in Richtung Griechenland und schließlich glaubten wir, in Korfu das für uns passende Reiseziel gefunden zu haben. Völlig gespannt und unbedarft traten wir unsere erste Pauschalreise an. Noch dazu war es das erste Mal für mich, dass ich mit einem Flug in den Urlaub startete. Und es war einfach toll!
Am Flughafen von Korfu erwartete uns schon die deutsche Reiseleiterin, die uns zum richtigen Bus brachte, der uns dann schließlich zu unserem bis dahin noch unbekannten Feriendomizil kutschierte. Abgesehen von der Art der Unterkunft (Studio ohne Verpflegung) wussten wir noch nicht genau, wo wir auf der Insel landen würden. Wenn ich mich recht erinnere, nannte man solche Reiseangebote damals "Glücksreisen". Nach und nach stiegen die Mitreisenden an ihren Hotels oder Ferienanlagen aus, nur für uns ging die Fahrt immer weiter, bis wir schließlich nur noch zu zweit im Bus saßen und uns fragten, wo wir wohl landen würden. Um elf Uhr abends hatten dann auch wir unsere Bleibe erreicht. Rund um die Anlage gab es zwar noch mehrere Ferienwohnungen, aber die Straßen waren wohl eher bessere Feldwege und wo war eigentlich das Meer?
Der Empfang vor unserem Studio ließ aber recht schnell alle Bedenken schwinden und war mehr als herzlich. Einige Einheimische saßen vor dem zur Anlage gehörenden kleinen Kiosk und luden uns sofort zu einem Glas Ouzo ein. Mit etwas Englisch und Händen und Füßen nahm man erste Kontakte auf und lernte auch gleich eines der wichtigsten griechischen Wörter: jámmas (= Prost, auf unser Wohl!).
Am nächsten Morgen erkundeten wir die nähere Umgebung und siehe da, das Meer war nur wenige hundert Meter entfernt. Zwar nur ein Kiesstrand, dafür aber sehr groß und weitläufig, ohne lästige Sonnenschirmverleihe oder sonstigen Touristen-Schnickschnack. Wir befanden uns an der Nordküste Korfus. Wenige Kilometer von unserem Urlaubsort entfernt, zwischen Almirós und Róda erstreckt sich der längste Sandstrand der Insel, von dem natürlich auch viele Touristen angelockt werden, vor allem Engländer. Ein kurzer Abstecher dahin genügte uns, um uns einen Eindruck davon zu verschaffen.
Da unsere finanziellen Mittel zur damaligen Zeit doch sehr begrenzt waren, hielten sich auch unsere Unternehmungen in Grenzen. Wir erkundeten die nähere Umgebung zu Fuß oder mit dem Fahrrad, wo wir Landschildkröten einfach so auf der Straße begegneten und machten hin und wieder einen Ausflug mit dem Linienbus. Unser Vermieter Spíro (so heißt wohl jeder Zweite auf Korfu, nach dem Schutzheiligen der Insel St. Spirídon benannt) nahm uns außerdem zweimal mit nach Korfu-Stadt, wo wir in den engen Gassen unsere Zeit mit Bummeln verbrachten oder in einem Café sitzend das Treiben der Menschen auf uns wirken ließen. Die Abende verbrachten wir meist in einer nahe gelegenen Taverne, wo wir uns bald wie zu Hause fühlten. Oder wir saßen mit anderen Bewohnern der Ferienanlage zusammen bei einem Glas Wein oder Bier im wunderschön angelegten Garten hinter unserem Apartment. Anfänglich etwas skeptisch gegenüber der griechischen Gastfreundlichkeit merkten wir recht bald, dass man es ehrlich meinte. So wird uns auch das Dorffest, zu dem uns die Besitzer der kleinen Taverne einluden und auf dem wir unsere ersten griechischen Tanzschritte machten, in unvergesslicher Erinnerung bleiben.