Couchtermin Cosmopolitan
Als ich, wie so oft schon, an einem Samstagmorgen müde die Cosmopolitan studierte und mir gerade auffiel, dass ich mir unbedingt diese süßen blauen Schuhe auf Seite zwölf besorgen muss, fiel mir noch etwas anderes auf. Der Couchtermin, verfasst von einem, der mit Abstand besten Redakteure der Cosmopolitan: Jesko Prieß.
Diesmal hatte er sich also Nena vorgenommen, dachte ich schmunzelnd und erfreute mich an der Vorstellung bei dem kühlen, frischen Humor des Journalisten wieder Tränen zu lachen.
Pardon, sagte ich Tränen lachen? Ich musste eher weinen. Dieser Artikel war, im Gegensatz zu den anderen regelrecht erbärmlich.
Ich musste nur die ersten vier Zeilen lesen ("Irgendwo? Irgendwann? Bei Nena ist das keine Frage. Ob Charts, Werbespots oder Talkshows- wir entkommen ihr nicht. Jesko Prieß weiß, wo Nenas Energien dringender gebraucht werden.) und wusste, dass es mit dieser Ausgabe der Cosmopolitan der weitaus schlechteste Start in den Tag war.
"Wir entkommen ihr nicht?" Na? möchten wir ihr denn entkommen? Millionen kaufen ihre CDs. Aber natürlich, Herr Prieß. Alle Welt will ihr entkommen. Ist Logik ein Fremdwort für sie?
Optimistisch wie ich es bin, gab ich diesem Artikel noch eine Chance, nicht der Auslöser, bzw. Grund zu sein, mir diese fantastische und in allen Lebenssituationen beratende Zeitschrift nicht weiterhin zu kaufen.
Ich lese weiter. "Schon traurig, vor allem weil man die Sängerin ja doch gut finden möchte." Schreibt Jesko Prieß. Traurig? Nun ja, traurig ist es meiner Meinung nach, wenn einem Journalisten (den man ja eigentlich doch gut finden möchte) die Themen ausgehen. Oder etwa nicht?
Ich habe schon viele schlechte Artikel gelesen bzw. geschrieben, doch in jeden Satz mindestens einmal einen schlechten, abgeschmackten Kommentar unterzubringen, habe bis jetzt selbst ich nicht geschafft. Solche wie "sie klingt mittlerweile nur noch wie die Handpuppe von Udo Lindenberg" und "sie bewegt sich so grazil wie ein Teletubbie mit Bandscheibenvorfall" lassen mich darauf schließen, dass der Redakteur erstens nicht viel Ahnung von Nena hat und zweitens sein Schriftstil zu wünschen übrig lässt und eher an (wie hat er das noch so schön formuliert?) "Poesiealbumformat" erinnert.
Das einzigste, wodurch in diesem Text mein Lachkrampf ausgelöst wurde, war das sich Jesko Prieß indirekt als Gala-Leser outet. Und natürlich wurde auch Nenas Werbespot für "Weißer Riese" durch den Dreck gezogen.
Meiner Meinung nach galt der "Couchtermin" bislang für Leute, die keiner mochte, die es verdient hatten eine Lektion erteilt zu bekommen. Und selbst wenn ich diese berühmten Personen ganz gut fand, konnte ich über diese ironische, wortgewandte Art lachen. Ich bin längst kein Fan von Nena.
Doch an diesem Tag konnte mich nur noch das sympathische Lächeln und diese nette Formulierung an die Leser von Petra Gessulat auf Seite Sieben umstimmen, Cosmopolitan zukünftig nicht zu boykottieren.