Maßanzüge - Maßhemden

Das Internet verhilft einer seit Jahrzehnten ins ökonomische Abseits geratenen Idee, die vor Generationen noch eine Selbstverständlichkeit war, wieder zu einem neuen Durchbruch. Noch vor einer Generation hatte jedes Dorf einen eigenen Schneider, wo heute (wenn überhaupt noch) eine Änderungsschneiderei zu finden ist. Der Schneider oder die Schneiderin war früher hauptsächlich damit beschäftigt den Kunden Kleider und Anzüge auf den Leib zu schneidern.

Diese handwerkliche Tradition ging im Zuge der Massenproduktion in der Herrenmode mehr oder weniger verloren. Von nun an kamen die sehr viel billigeren Kleidungsstücke aus den Nähereien der Entwicklungsländer, wo fleißige Bienen an die Nähmaschinen gekettet zu sein scheinen.

In Deutschland und auch in der restlichen westlichen Welt konnten sich nur einige wenige Exklusive Maßschneider halten. Auch aufgrund des Internets und der internationalen Preisdifferenzen in der globalisierten Welt, erlebt der Maßanzug eine Renaissance.

Der Kunde vermisst sich dabei in der Regel selbst, übermittelt seine Daten an eine entsprechende Firma. Es werden noch Stoffmuster angeklickt und auch die Schnittmuster. Das ganze wird dann z.B. per Datenleitung nach Portugal oder China übermittelt, wo der Maßanzug dann gefertigt wird und per Kurierdienst an den Kunden ausgeliefert wird.

Zum Teil übernimmt das Vermessen auch klassischen Textileinzelhändler, die mit den Internetshops kooperieren. Der Kunde hat den Vorteil, dass er sich nur einmal vermessen lassen muss (vorrausgesetzt er nimmt nicht zu sehr zu). Wann immer Maßhemden von Nöten sind, kann einfach per Internet nachbestellt werden. Auf diese Art und Weise verhilft das Internet einem alten Handwerk beim ökonomischen Überleben. Allerdings sitzt der Maßschneider nicht mehr in der gleichen Stadt sondern in der Regel am anderen Ende der Welt.

Klaus-Martin Meyer


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