Volksfeste

Sicherlich ist man überrascht, wenn man erfährt, dass nahezu zwei Drittel der Deutschen regelmäßig Volksfeste besuchen. Laut Statistik unternehmen die Besucher jährlich durchschnittlich 3,2 Ausflüge zu Volksfesten, wobei die Weihnachtsmärkte noch nicht einmal mitgerechnet wurden. Somit gehören Volksfeste zu den größten Angebotssparten der Freizeitwirtschaft.

Die Volksfeste in den einzelnen Bundesländern werden unterschiedlich stark besucht, wobei Bayern und Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Besucher verzeichnen können als beispielsweise die nördlichen Regionen.

Das Kulturgut und das jeweilige Brauchtum einer Region werden durch das Volksfest zum Ausdruck gebracht. Häufig stehen kirchliche Feste in Zusammenhang mit den Volksfesten, und so manches davon kann auf eine mehrere Jahrhunderte alte Tradition zurückschauen. Inzwischen hat sogar der Bundestag Volksfeste als schützenswert und auf der Welt einmaliges Kulturgut anerkannt. Viele Städte erhielten im Mittelalter das Marktrecht, so dass sie Märkte abhalten konnten, für die die Händler keine Abgaben zu leisten hatten. Häufig wurde der Markt zusammen mit einem Kirchenfest abgehalten, weil zu diesem Zeitpunkt die Marktfreiheit für alle Händler Gültigkeit hatte, egal ob ortsansässig oder von außerhalb. Meist wurde auch kein Warenzoll erhoben.

Dabei unterhielten Schausteller ihr Publikum durch Menagerien mit wilden Tieren, Seiltänze, Bänkelgesang und Jonglieren. Narren regten die Bevölkerung zum Lachen oder Nachdenken an. Aber auch Kuriositäten, Abnormitäten und Attraktionen wurden öffentlich dargeboten. So verbogen Artisten ihre Körper und Kraftmenschen sprengten eiserne Ketten. Daneben bot Dr. Eisenbart seine Medizin an.

Die Geschichte der Markthändler und Schausteller ist also eng miteinander verbunden. Und genauso, wie sich der Mensch im Laufe der Jahrhunderte verändert hat, wandelte sich auch die Schaustellerei. Heutzutage versuchen große Fahrgeschäfte, den Wunsch nach Spannung, Angst oder Freude zu befriedigen. Inzwischen jedoch werden technische Grenzen bei der Suche nach "höher, schneller und gewaltiger" erreicht. Für die Beschleunigungswerte so mancher Achterbahn benötigt man fast Fliegerqualitäten.

Zwar werden Volksfeste überwiegend von jüngeren Menschen besucht, jedoch interessieren sich zunehmend zahlungskräftige Personen über 50 Jahren für diese Veranstaltungen. Im letzten Jahr haben 228 Millionen Menschen rund 13.000 verschiedene Veranstaltungen besucht und einen Umsatz von 3,92 Milliarden Euro getätigt. Doch trotz gleich bleibender Besucherzahlen ist der Umsatz rückläufig, so dass neue Konzepte erarbeitet werden müssen. Grund dafür sind hohe Arbeitslosigkeit, schwache Konjunktur, Schlechtwetter sowie die aus diesen Faktoren resultierende Konsumzurückhaltung. Stark verbesserte Dienstleistungen sollen dem entgegenwirken. Steigende Preise für Strom, Wasser oder Standgebühren bereiten den Schaustellern zusätzliche Sorge. Etwa 45.700 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt vollständig auf Volksfesten. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Personen, die als zeitlich befristete Aushilfskräfte tätig sind.


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