Melgaards Inferno

Fasziniert und gleichzeitig abgestoßen fühlt sich ein Großteil der Besucher der Kunsthalle zu Kiel. Dort präsentiert der 1967 geborene Norweger Bjarne Melgaard seine Ausstellung "Interface to god". In Zusammenarbeit mit der Metallband Thorns flutet Melgaard die Ausstellungsräume mit Matratzen, Drogenbestecken, Blut, nackten Körpern, Röntgenaufnahmen von Tieren und den anarchistischen Texten der norwegischen Gruftrockern.

Bereits im Mai wurde Melgaards Ausstellung ? Black Low? geschlossen und später nur unter diversen Auflagen bewilligt. Sein Vorhaben eine, in schwarzes Latex gekleidete, Ziege als Symbol des absolut Bösen in die Ausstellung zu integrieren, hatte zu dem Verbot geführt.

Auch die Begleitbücher und Ausstellungskataloge zu "Black Low" und "Interface to god" wurden als jugendgefährdend eingestuft und auf den Index verbannt da sie Darstellungen von Folterungen, Kastrationen und Ähnlichem enthielten.

Ein roter faden der Gewalt zieht sich durch das gesamte Werk des in Berlin wohnhaften Künstlers. Seine zum Teil kindlich-naiv anmutenden Zeichnungen , seine Gemälde, Collagen und Installationen geben Einblicke in die düstere, von Suizid und Tötungsphantasien regierte Welt des Bjarne Melgaard. Was auch immer die Quelle seiner Inspiration ist, sie ist finster!

Pastellfarbene Strudel beherbergen bluttriefende Muskelmänner, Bilder von Exekutionen, Folterszenen und Monstren mit Spritzen statt Genitalien.
Wer von diesen ersten Eindrücken nicht ist und sich die Mühe macht auf die Details zu achten, wird ein immer wiederkehrendes Monster mit spitzen Ohren und länglicher Schnauze schnell als des Menschen besten Freund entlarven.Hierbei handelt es sich weder Um Teufel noch um Dämonen, sondern viel mehr um Melgaards Lieblingsmotiv: seine Chihuahuahündin, die ihm offensichtlich sehr nahe steht und immer wieder, einer Muse gleich, in seinen Bilder auftaucht.

Seine Einstellung und Position zu den Abgründen des menschlichen Geistes bleibt dennoch unklar, denn auch wenn Melgaard sich beständig als Ziel von negativer Kritik und Gerüchten um Satanismus, Drogenmissbrauch und homoerotischen Sado-Maso-Praktiken sieht, gibt er dennoch keine klaren Statements dazu inwiefern seine Kunstwerke autobiographisch sind.


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