Alice Walker: Ein leidenschaftliches Leben
Alice Walker wurde am 9.2.1933 im Staat Georgia als jüngstes Kind einer Farmerfamilie in der Kleinstadt Eatonton geboren.
Im Alter von acht Jahren verlor Walker beim "Cowboy- und Indianerspielen" mit ihren Geschwistern beinah ihr rechtes Auge. Einer ihrer Brüder schoss versehentlich beim Spielen mit einem Luftgewehr auf sie und verletzte sie so stark, dass sie einseitig erblindete. Das Auge trübte und verhärtete sich nach einer Entzündung, so dass ein grauer Klumpen Narbengewebe zurückblieb.
Walker selbst sagt über diesen Unfall, dass er dazu beitrug, dass sie sich unansehnlich und hässlich fühlte und sich immer weiter zurückzog.
Anstatt wie ihre anderen Geschwister zu spielen, verbrachte sie ihre Nachmittage damit, Bücher zu lesen und sich in Tagträumereien zu flüchten. Tagträume, die alles andere als erfreulich waren. Nach eigenen Angaben durchlitt sie immer wieder Phasen, in denen sie intensiv an Suizid dachte. In dieser Isolation begann Alice Walker damit, selber Gedichte und Tagebücher zu schreiben. Das Schreiben war für sie gleichermaßen Therapie und Ablenkung, ein Weg um zu vergessen, wie einsam und unglücklich sie sich fühlte.
Jahrelang sah sie niemanden an, wenn sie sprach und hielt den Kopf gesenkt, weil sie niemandem den Anblick ihres entstellten Auges zumuten wollte. Um sie aus dieser Einsamkeit zu befreien, ließ Walkers Bruder Bill ihr Auge bei einem Besuch in Boston operieren. Mit der Entfernung des Narbengewebes veränderte sich das Leben der vierzehnjährigen Alice von Grund auf. Sie nahm aktiv am Schulalltag teil, wurde Klassenbeste und wurde schließlich zur beliebtesten Schülerin ihrer Abschlussklasse gewählt.
Ihre guten Noten und die Behinderung verhalfen ihr schließlich zu einem Stipendium, so dass es ihr möglich war, das Spelman College in Atlanta zu besuchen. Hier blieb sie zwei Jahre lang und wechselte dann nach New York zum Sarah Lawrence College. Sie nimmt aktiv an Demonstrationen und Friedensmärschen gegen die Rassentrennung teil und engagiert sich in feministischen Gruppen, die sich die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft zur Aufgabe gemacht hatten. Nachdem sie einen Sommer lang in Uganda/ Afrika verbracht hatte, kehrte sie ans College zurück.
Ein Schwangerschaftsabbruch lässt ihre Welt zusammenbrechen und stürzt sie in schwere Depressionen. Während dieser Zeit beginnt sie wieder verstärkt, Gedichte zu schreiben, die schließlich 1968 als Gedichtband unter dem Titel "Once" erscheinen.
Bereits zwei Jahre darauf, kurz nach der Geburt ihrer Tochter Rebecca, veröffentlicht Walker ihre erste Novelle, die von Lesern und Kritikern gleichermaßen gelobt wurde.
Im selben Maß wie ihre politische Aktivität wächst auch ihre Arbeit als Schriftstellerin und Aktivistin. Wieder und wieder setzt sie sich mit Themen wie Rassismus, Sexismus, Armut, der Anti-Nuklearen-Bewegung, Frauenrecht und der Beschneidung von Frauen in Afrika auseinander.
Weiten Schichten wurde Alice Walker jedoch bekannt durch ihren 1982 veröffentlichten Roman "Die Farbe Lila", für den sie 1983 den Pulitzerpreis erhielt und der schließlich von Stephen Spielberg verfilmt wurde. Bis heute gilt Spielbergs Film als ein Meilenstein in der Filmgeschichte und öffnete so Walkers Romane einem immer größeren Publikum, verursachte aber auch heftige Kontroversen. Die Motive des Films, wie z.B. lesbische Liebe, häusliche Gewalt und Inzest lösten wilde Diskussionen bei den Zuschauern aus.
Spielberg wurde unter anderem vorgeworfen, indirekten Rassismus zu praktizieren indem er die Rolle des schwarzen Mannes und Patriarchen im Film negativ darstellte.
Trotz seines großen kommerziellen Erfolges und einer Starbesetzung (unter anderem Whoopie Goldberg und Oprah Winfrey) erhielt "Die Farbe Lila" keinen der elf Oscars für die der Film nominiert war.
Walker erhielt für ihr Werk noch eine Vielzahl weiterer Auszeichnungen, wie zum Beispiel den American Book Award, den Guggenheim Preis, Lyndhurst Preis und den Townsend Preis.
Zurzeit lebt sie mit ihrem Hund und ihrer Lebensgefährtin in Kalifornien und gehört mit Maya Angelou und Tony Morrison zu den wichtigsten Autoren der afroamerikanischen Literatur.
Walker engagiert sich noch immer als politische Aktivistin und für die Rechte der schwarzen Frauen.