Alex McQuilkin
Wer Alex McQuilkin privat trifft käme nicht auf den Gedanken, dass sie ihr Geld mit Blut und Schusswaffen verdient. Die Fünfundzwanzigjährige macht einen eher unschuldigen Eindruck und wirkt ausgeglichen, ein nettes Mädchen aus Boston, das eher nach gestärkten Leinenblusen und Perlenohrsteckern als nach Aufstand und nach Rock and Roll aussieht.
Doch der erste Eindruck täuscht. Alex McQuilkin hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Sprachrohr ihrer von Orientierungslosigkeit und Turbulenzen erschütterten Generation zu fungieren.
Wer sich die Filme von McQuilkin ansieht, befindet sich schnell auf einem Trip in Alices böses Wunderland. Plüschig, schrill und doch blutrünstig wird da gemordet, bedroht und sich selbst entleibt. Ein bisschen wie Britney Spears für böse Mädchen wirken die Kurzfilme und sind irgendwo zwischen Punkkonzert, Kindergeburtstag, Popvideo und Schlachtfest angesiedelt.
Die Hauptrolle in ihren Kunstwerken spielt die amerikanische Künstlerin selbst und will ihre Arbeit eher als Reflektion auf den Alltag ihrer Generation als autobiographisch gesehen wissen. Sie sieht Teenager als die echtesten und emotionalsten Menschen überhaupt, denn laut McQuilkin ist man nie wieder so sensibel und formbar wie in der kurzen Zeit zwischen Pubertät und erwachsen werden. Niemand ist so beeinflussbar durch Idole und äußere Einflüsse wie ein Teenager, sagt sie und inszeniert ihre Videos hart an der Grenze des guten Geschmacks. Schockierend und drastisch wirken die Momentaufnahmen aus ihren Videos, in denen schonungslos gezeigt wird, was die Seelen der Kinder und jungen Erwachsenen quält.
Wie zum Duell bereit wirken zwei Mädchen, die mit giftigen Blicken im Bikini ihre Figuren vergleichen, ein anderes Girl springt tanzend und schreiend durch ihr Kinderzimmer, während unter dem Bett die Beine einer Frauenleiche herausragen. Ein weiteres Mädchen sitzt vor ihrem Spiegel und starrt sich selbst an, Blut tropft von ihren mit Mullbinden umwickelten Armen, während im Hintergrund Songs der Rockband Nirvana aus der Stereoanlage dröhnen , dann wieder wird der Betrachter mit der Nahaufnahme einer jungen Frau konfrontiert, die sich erschreckend teilnahmslos versucht, Lippenstift aufzutragen ,während sie scheinbar von hinten penetriert wird.
Viel subtiler wirken dagegen Produktionen wie "Prozac" und "7 Minuten im Himmel", die sich der Problematik von Standesunterschieden und von mit Antidepressiva voll gestopften Teenies annehmen. Die beliebte Beruhigungsdroge wird hier wie Smarties von einem langen Streifen Papier gefuttert und Partyspiele werden zu unangenehmen Konfrontationen zwischen Mädchen aus unterschiedlichen Schichten. Ihre Arbeiten sind intensiv und unberechenbar, scheinbar harmlose und triviale Situationen verwandeln sich plötzlich in düstere und gewalttätige Szenarien.
Die Tatsache, dass McQuilkin die Pubertät selbst noch nicht lange hinter sich gelassen hat, verleiht ihr ein hohes Maß an Authentizität und macht ihre Posen und Installationen umso glaubwürdiger. Man kommt nicht umhin darüber nachzudenken, was mit unseren Kindern, unseren Töchtern und Geschwistern geschieht, denn die Notstände, die von der jungen Künstlerin auf ironische und übertriebene Art und Weise thematisiert werden, sind nicht nur ein amerikanisches Problem, sondern mühelos auch auf die deutsche Gesellschaft übertragbar