Fristenkongruenz - Für und Wider

Während der seit nunmehr zwei Jahren andauernden Banken- und Finanzkrise kam im Zusammenhang mit den Liquiditätsproblemen einiger Banken und Finanzinstitute immer wieder ein Wort an die Öffentlichkeit, welches Sparer bis dahin kaum gehört haben geschweige denn, dass sie ich damit beschäftigt hatten: die Fristenkongruenz.

Kongruenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Deckungsgleichheit. Während die Kongruenz in der Geometrie die Deckungsgleichheit einer Menge von Punkten bezeichnet, beschreibt sie in de Finanzwelt die Regel, dass Geld nur über eine Laufzeit bzw. mit einer Kündigungsfrist verliehen werden soll, wie es eingeworben wurde.

Täglich kündbares Tagesgeld zum Beispiel sollte im Idealfall in Form täglich kündbarer Dispositionskredite verliehen werden, wohingegen Festgeld mit einer Laufzeit von fünf Jahren auch als Kredit mit einer ebenso langen Laufzeit verliehen werden kann.

Die sträfliche Nichtbeachtung dieser Regel hat im Zuge der Finanzkrise den Zusammenbruch einiger Banken zur Folge gehabt, da diese kurzfristige Kundenforderungen nicht fristgemäß bedienen konnten, weil sie das eingeworbene Geld zu langfristig verliehen hatten und damit unlösbaren Liquiditätsproblemen gegenüberstanden.

Wie sehr eine Missachtung der Fristenkongruenz die Liquiditätslage einer Bank bedrohen kann, zeigt ein einfaches Beispiel: Anleger geben einer Bank 100 Mio. Euro in Form täglich verfügbaren Tagesgeldes. Die Bank verleiht davon 50 Prozent als Dispo- und die anderen 50 Prozent als kurzfristige und günstige Kredite. Wenn nun 60 Prozent dieses Geldes von den Sparern kurzfristig zurückgefordert werden, kann die Bank nur die 50 Prozent Dispositionskredite kündigen. Bei den als Krediten verliehenen anderen 50 Prozent der Einlagen muß sie die fristgerechte Rückführung durch die Kreditnehmer abwarten - was je nach Laufzeit einige Jahre dauern kann.

Tritt dieser Umstand ein und kann die Bank den Sparern die zurückgeforderten Einlagen nicht aus liquiden Mitteln auszahlen, können diese Liquiditätsprobleme sie in gehörige Schieflage bringen.

Genauso verhält es sich übrigens auch im Rest der Wirtschaftswelt. Können Unternehmen die Forderungen ihrer Lieferanten und Banken nicht aus entsprechenden Einnahmen sowie eigenen Reserven begleichen, haben sie ein Liquiditätsproblem, welches im schlimmsten Fall in einer Insolvenz mündet.


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