Fünf Minuten Selbsttherapie bei Stress

Zur Vorbeugung allgemeiner Missverständlichkeiten und zur Einführung einer gemeinsamen Verständnisgrundlage möchte ich im Folgenden mit meiner Definition von Stress beginnen:

Stress ist das Resultat der nervösen Spannung, die aus der Diskrepanz zwischen gefühlter und gewünschter Realität entsteht. Die Symptome sind um so deutlicher bzw. intensiver je größer die Diskrepanz zwischen der gefühlten und der gewünschten Realität ist, zum einen und der Tatsache wie lange dieser Zustand der Diskrepanz bereits andauert.

Dieser Zustand ist uns in der Regel nicht oder nur zum Teil bewusst und wird durch uns lediglich in der Form seiner Impulse wahrgenommen.

Bei der Beantwortung der Frage woher nun diese Diskrepanz rührt gelangt man recht schnell zur individuellen Zielsetzung gestresster Individuen, die ursächlich verantwortlich zu sein scheinen. Einige Therapiemethoden setzen an diesem Punkt an, in dem sie versuchen, laienhaft ausgedrückt, regulierend auf diese Zielsetzung einzuwirken.

Dies tun sie, nur allzu schnell die Tatsache übersehend, dass auch die individuelle Zielsetzung lediglich ein Symptom und nicht der ursächliche Auslöser der Symptome ist.

Da die tatsächliche Erläuterung der Ursächlichkeit dieses Phänomens, die sich uns tiefenpsychologisch orientierten Therapeuten lediglich in einer individuellen Analyse erschließt, den hier vorgegebenen Rahmen sprengen würde, möchte ich an dieser Stelle nunmehr eine Hilfskonstruktion, die die Funktion einer Krücke haben soll, einführen.

Diese beschränkt sich nun ausschließlich auf das konstruierte Phänomen der Zeit.

Konstruiert, da es de Fakto in dem Augenblick der Realität nie mehr als eben diesen Augenblick geben wird. Die Vergangenheit ist nicht existent und lediglich in unserem Geist als Antreiber, Hämmer oder Erfahrung vorhanden. Die Zukunft jedoch ist nun ebenso wenig realistisch, da sie u.a. nur als Projektion unserer Wünsche, Ziele, Ängste und Hoffnungen dient. Nimmt man das nun als gegeben hin und führt sich weiterhin die Tatsache vor Augen, dass sowohl das Anhaften an der Vergangenheit als auch das an der Zukunft uns der Möglichkeiten des Lebens und Genießens der Gegenwart berauben, nähern wir uns dem Kern dieser Fünf-Minuten-Selbst-Therapie.

Im Klartext heißt dass:

  • Wir sind so sehr von nicht existierenden individuellen Vergangenheiten und Zukünftigkeiten besetzt, dass wir darüber die einzige Realität unseres Lebens- den jetzigen Augenblick- nicht leben können. Nehmen Sie sich also einmal fünf Minuten Zeit und gehen Sie dazu an einen ruhige Ort, und sei es die öffentliche Toilette. Stellen Sie sich eindringlich folgende Frage:
  • Wenn ich all meine Probleme der Vergangenheit, die es nur noch in meinem Kopf gibt, außer acht lasse,
  • eben so wie die Sorgen vor Morgen, die, wenn sie überhaupt eintreffen, jetzt noch nicht real sind,
  • Welche wirklichen Probleme habe ich genau in diesem jetzigen Augenblick?
  • Bei einer 100%igen Bereitschaft werden Sie in der Regel feststellen, dass Sie keine haben, weil selbst die Rechnung, die Sie Morgen bezahlen müssen, Sie genau jetzt nicht bedroht.
  • Genießen Sie das sich nun einstellende Gefühl der Leichtigkeit und Zufriedenheit und versuchen Sie, diese Übung so oft es Ihnen möglich ist zu wiederholen.
  • Sie werden sehen, dass sich viele stressige Empfindungen und Impulse darunter relativieren werden.

Ein Chinesisches Sprichwort sagt:

"Ein Marsch von eintausend Kilometern beginnt mit dem ersten Schritt"

Wenn Sie sich über eintausend Schritte in Ihrer Zukunft Gedanken machen geraten Sie leicht in Stress und können leicht verzweifeln. Genießen Sie jedoch jeden einzelnen Schritt für sich ohne sich um den nächsten zu Sorgen, wird das Laufen eine Freude. Das ist wahre Lebenskunst.


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