Spielend bewerben

Immer breiter wird die Palette der Online-Rekrutierungs-Tools, die deutschen Unternehmen zur Verfügung steht. Nachdem Bewerbungen per E-mail oder der Online-Skill-Test schon zur Grundausstattung moderner Personalgewinnung gehören, erobert nun ein neuer Trend die Human Ressources: Recruitainment - die internetbasierte Strategie, Bewerber und Unternehmen in einem Assessment-Center der besonderen Art "spielerisch" zusammenzubringen.

Wenn zum Beispiel der Drogerie- und Lebensmittelkonzern Unilever Stellen zu besetzen hat, führt für die Bewerber kein Weg mehr am Internet vorbei. "Wir akzeptieren ausschließlich Online-Bewerbungen", heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Und dabei zählt mittlerweile nicht mehr nur der digitale Lebenslauf - als neuestes Instrument der Mitarbeiterrekrutierung bietet Unilever seit April 2004 sogar ein Online-Spiel an. "unique.st" heißt das Programm, erstellt von der Hamburger Firma Cyquest.

Wer sich dem "unique.st"-Test stellt, wird virtuell durch das Werk eines amerikanischen Eiscreme-Herstellers geführt. Auf erlebnisbetonte Weise erhalten die Jobkandidaten genauere Informationen zu verschiedenen Tätigkeitsbereichen innerhalb des Unternehmens. Gleichzeitig werden die Fähigkeiten der Bewerber getestet: Wie präsentieren sie sich zum Beispiel im virtuellen Dialog? Und wie reagieren sie auf Problemstellungen? Was für die Teilnehmer unterhaltsam und entspannt daher kommt, vermittelt den Personalverantwortlichen des Unternehmens wichtige erste Eindrücke der potentiellen Mitarbeiter. Ein Konzept, dass ankommt: "Die Resonanz auf unique.st ist sehr gut", sagt Nicolina Kopping. "Bewerber bestätigen uns immer wieder, dass sie den Test sehr innovativ und kurzweilig finden."

Dass der Erstkontakt via Internet ein wichtiger Weg modernen Recruitments ist, bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen zur Internet-Affinität potentieller Bewerber. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes beispielsweise nutzen bereits über 80 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen in Deutschland das Netz, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es mehr als siebzig Prozent. Nahezu alle Studenten in der Bundesrepublik gehen regelmäßig online. (Quelle: PR-Agentur) Die hohe Nutzungsrate der Schüler und Hochschüler veranlasst immer mehr Unternehmen dazu, ihre Internetangebote vor allem für junge Bewerber auszubauen.

So ist zum Beispiel auch die Deutsche Bahn AG auf diesen Zug aufgesprungen. In seinem neuem Online-Spiel "Tr.A.X." stellt das Unternehmen interessierten Schülern Ausbildungsberufe bei der Bahn vor. Damit begegnet der Konzern einem allgegenwärtigen Problem: ?Viele Jugendliche bewerben sich einfach blind?, erklärt Ursula Venbert von der Abteilung Bildungsstategie der Deutschen Bahn AG, "Während der Ausbildung merken sie dann, dass sie sich doch etwas anderes vorgestellt hatten und brechen einfach ab. Wir setzen daher auf Transparenz bei der Jobbeschreibung", so Venbert.

Die Vorauswahl der Bewerber über das Internet hilft den Unternehmen nicht nur beim Problem falscher Erwartungen der Bewerber an einen Arbeitsplatz. Sie hat auch den Vorteil großer Zeiteinsparungen. "Unilever zum Beispiel hat mit dem Online-Tool einen unschlagbaren Vorsprung", erklärt Cyquest-Mitarbeiter Tim Jägeler. "Denn die Zeitspanne zwischen Bewerbung und Einstellungsvertrag kann dadurch auf zehn Tage minimiert werden."

Tanja Fuchs4iMEDIA Journalistenbüro


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