Mangel an Auszubildenden

Die demografischen Veränderungen, die Deutschland bevorstehen, zwingen Unternehmen, Institutionen und Agenturen mit neuen Strategien auf den Mangel an jungem Fachpersonal zu reagieren. "Die Deutschen sterben aus!" ist darum der Grundtenor zahlreicher aktueller Artikel. So übertrieben diese Befürchtung auch scheint, Prognosen kündigen einen dramatischen Rückgang der Bevölkerung um zehn bis 15 Millionen in den nächsten vier Jahrzehnten an. Dabei verändert sich auch das Verhältnis von Jung zu Alt zu Gunsten der Älteren. Die Folgen für Unternehmen könnten dramatisch werden. Schon in den nächsten Jahren wird ein Mangel an Auszubildenden erwartet ? damit fehlen künftig Fachkräfte. Hans-Peter Kohler vom Max-Planck-Institut für Demografische Forschung Rostock sagte schon im Jahr 2000: "In zehn Jahren werden Sorgen über einen Mangel an Lehrstellen der umgekehrten Sorge über einen Mangel von Auszubildenden im Handwerk, aber auch ein Mangel an Fachkräften in vielen anderen Wirtschaftssektoren gewichen sein."

Ganz so dramatisch wie von Kohler befürchtet, ist die Lage im Moment noch nicht. "Der Mangel an jungem Fachpersonal wird - zumindest in Westdeutschland - noch einige Jahre auf sich warten lassen. Deshalb haben sich die meisten Betriebe hierauf noch nicht eingestellt und keine Strategien entwickelt", erklärt Dr. Günter Walden, Bereichsleiter für sozialwissenschaftliche und ökonomische Grundlagen der Berufsbildung beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Doch in Ostdeutschland ist die Lage schon jetzt prekär. Viele Unternehmen klagen hier über einen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und der Rückgang der Bewerberzahlen um Ausbildungsplätze wird deutlich spürbar. Doch ob in den alten oder neuen Bundesländern: Die Unternehmen in Deutschland sind mittel- und langfristig gezwungen, neue Wege bei der Rekrutierung von Auszubildenden zu gehen. Einige Firmen haben diesen Trend bereits erkannt.

Die Salzgitter AG beispielsweise ist sich der Problematik der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung bewusst. Seit knapp zehn Jahren setzt das Unternehmen bei der Nachwuchsrekrutierung auf den direkten Kontakt mit ausgewählten Partnerschulen in der Region. Im Kooperationsmodell "Schule/Wirtschaft" arbeiten die Schulen eng mit dem Konzern zusammen. ?Die Kooperation ist für beide Seiten von Nutzen. Als produzierendes Unternehmen brauchen wir einen hohen Anteil an qualifizierten Facharbeitern und wir können vermitteln, welche Ansprüche uns wichtig sind. Die Schulen bekommen materielle Unterstützung und einen realistischen Einblick in die Arbeitwelt", erklärt Frank Argenton, Leiter des Bereiches Aus- und Weiterbildung des Unternehmens. Der Konzern bietet Schülerpraktika, Arbeitskreise mit Lehrern und Ausbildern und veranstaltet gemeinsame Workshops. Zudem beteiligt sich die Firma an Berufsorientierungsmessen und kooperiert mit Initiativen regionaler und überregionaler Verbände. Das Programm zeigt Wirkung. ?Wir haben überproportional viele Bewerbungen aus den Partnerschulen, doch schon heute gibt es Berufsfelder, in denen die geeigneten Bewerber gerade ausreichen. Insbesondere in technischen Bereichen ist das Verhältnis zu unseren Ungunsten?, sagt Argenton. Ein Problem, das auch die Unternehmen des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima in zunehmendem Maße beschäftigt. Abhilfe soll ein bundesweites Projekt schaffen.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung startete der Zentralverband SHK im Jahr 2002 die "Demographie-Initiative". Bundesweit nahmen 47 mittelständische Firmen an dem Projekt teil, um qualifizierte Mitarbeiter und Auszubildende zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden. Außerdem sollen dadurch betriebliche Abläufe optimiert werden. Knapp 90 Prozent der beteiligten Firmen sahen in der eigenen betrieblichen Weiterbildung die beste Lösung, um den Auswirkungen des demographischen Wandels zu begegnen. Um neues Personal und Auszubildende zu gewinnen, wurden Betriebspraktika für Schüler und Fachhochschulstudenten sowie eine ?Schnupperlehre? in Form von bezahlter Ferienarbeit für Jugendliche angeboten. Die Kooperation mit Schulen, das Erstellen von Anforderungsprofilen und eine langfristig bedarfsgerechte Personalplanung waren weitere Maßnahmen, um dem Mangel an jungen Fachkräften zu begegnen.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen deutsche Unternehmen zukünftig verstärkt auf die betriebseigene Ausbildung zurückgreifen. "Es ist wichtig, die jüngeren Jahrgänge in unseren Betrieb zu holen und regelmäßig das Know How zu erweitern", ist auch Johanna Scholz, Personalverantwortliche in einer Leipziger PR-Agentur, überzeugt. Die Azubis können optimal in ein Unternehmen integriert werden, erlangen spezifisches Fachwissen und sind im Idealfall motivierte und leistungsstarke Mitarbeiter. Hinzu kommt eine erhebliche Verringerung des Rekrutierungsaufwandes. Nicht zu vergessen ist natürlich der Imagegewinn eines aus- und weiterbildenden Unternehmens in der Öffentlichkeit.

Tanja Fuchs4iMEDIA Journalistenbüro


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